Als Elternteil kann es schmerzhaft sein, wenn das eigene Kind plötzlich das Interesse verliert und lieber Zeit mit anderen Personen verbringt. Wie in diesem konkreten Fall beschrieben, fühlt sich die Mutter von ihrer einjährigen Tochter abgewiesen und fragt sich, was der Grund dafür sein könnte.

Ein wichtiger Faktor könnte die Entwicklung und die Bedürfnisse des Kindes sein. In den ersten Monaten und Jahren des Lebens durchläuft ein Kind verschiedene Phasen, in denen es unterschiedliche Dinge benötigt und bevorzugt. So kann es sein, dass ein Kind in den ersten Monaten besonders viel Nähe zum Mutter- oder Vater-Elternteil sucht, um sich geborgen zu fühlen. Im Laufe der Zeit entwickeln Kinder aber auch soziale Beziehungen zu anderen Personen wie Großeltern, Freunden oder Babysittern.

In diesem Zusammenhang spielen auch die Familiendynamik und die Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern eine Rolle. Wenn das Kind beispielsweise jedes zweite Wochenende und mittwochs Zeit mit der Oma und dem Papa verbringt, können sie inzwischen eine enge Bindung zueinander aufgebaut haben. Das Kind fühlt sich bei ihnen sicher und geborgen und möchte daher auch Zeit mit ihnen verbringen.

Es ist wichtig zu betonen, dass ein Kind nicht weniger Liebe oder Wertschätzung für ein Elternteil empfindet, wenn es sich in bestimmten Situationen mehr zu anderen Bezugspersonen hingezogen fühlt. Eine sichere Bindung kann sowohl zum Vater als auch zur Mutter aufgebaut werden und hängt von vielen Faktoren ab, darunter auch individuelle Persönlichkeiten und Anforderungen.

Vielleicht kann die Mutter auch versuchen, sich bewusst Zeit mit ihrem Kind zu nehmen und ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, um eine enge Bindung aufzubauen oder zu stärken. Dabei geht es nicht darum, das Kind zu manipulieren oder eine Suche nach Aufmerksamkeit zu starten, sondern um eine authentische und bedürfnisorientierte Beziehung zu schaffen.

Es ist auch wichtig, dass die Eltern miteinander kommunizieren und versuchen, gemeinsam eine unterstützende und liebevolle Umgebung für ihr Kind zu schaffen. In diesem Zusammenhang könnte die Mutter mit dem Vater und der Oma sprechen, um ihr Verständnis und ihre Unterstützung zu erhalten und gemeinsam zu überlegen, wie das Kind in seiner Entwicklung begleitet werden kann.

Insgesamt ist es wichtig, sich bewusst zu sein, dass die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern dynamisch sind und sich im Laufe der Zeit verändern können. Eine Trennung oder Abwechslung der Bezugspersonen kann dazu führen, dass das Kind eine Bindung mit anderen Personen aufbaut, aber auch wieder zurückkehrt und sich zu seinen Eltern hingezogen fühlt. Eltern sollten geduldig und liebevoll bleiben und darauf achten, ihrem Kind eine Umgebung zu schaffen, in der es sich sicher und unterstützt fühlt.

Vor kurzem erreichte mich eine Mail mit folgendem Inhalt: Seit ihrer Geburt war ich immer der bevorzugte Elternteil meiner Tochter. Sie kam immer zu mir geflogen, wenn ich zur Tür hereinkam, und sprang von Papas Armen in meine Arme. Sie ist gerade ein Jahr alt geworden, und jetzt interessiert sie sich kaum noch für mich und möchte lieber bei ihrer Oma und ihrem Papa sein, welche sie jedes zweite Wochenende und mittwochs sieht. Warum interessiert sich mein Kind nicht mehr für mich?

Hier ist meine Antwort:

Natürlich interessiert sie sich für dich! Und wenn du die Hauptbezugsperson bzw. der Hauptelternteil bist, vertraut sie wahrscheinlich einfach darauf, dass du immer für sie da sein wirst. Sie sieht dich vielleicht als ihren sicheren Hafen an. Manchmal nehmen Kleinkinder (und Erwachsene!) das als selbstverständlich hin. Kleinkinder entwickeln in diesem Alter noch Bindungen und kommunizieren dynamisch. Trennungsangst kann wieder auftauchen und die emotionalen Reaktionen auf Bindung verändern sich, während das Kind mit einem Jahr laufen und sprechen lernt. An einem Tag klammern sich Kleinkinder an einen Elternteil und greifen nach ihm, am nächsten Tag können sie ihre Vorlieben ändern. In diesem Alter sind sie wählerisch, das ist ganz normal!

Tue dein Bestes, um der Liebe deines Kindes zu vertrauen. Versuche, nicht zu reagieren oder deine Enttäuschung zu zeigen, wenn sie zu ihrem Vater oder ihrer Oma rennt. Sie wird das sonst merken. Oft reagieren Kinder auf Reaktionen, die sie durch ihr Verhalten hervorrufen und das ermutigt sie zu mehr davon. Unterstütze deine Tochter, beziehe sie in dein Leben ein und sorge für stabile Routinen, damit sie weiß, was sie erwartet. Wie viele Phasen im Kleinkindalter wird sich dieses Verhalten wahrscheinlich innerhalb weniger Wochen ändern.

Bildquelle: https://unsplash.com/photos/vknNquR-VcQ

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