Ich liebe diese Phase absolut.

Sicher, die Oberstufe kann anstrengend sein. Die meisten Pädagog:innen an der Oberschule werden dir sagen, dass dies die akademisch anspruchsvollste Zeit ist. Und die meisten Jugendlichen haben das Gefühl, dass sie immer mehr erwachsene Verantwortung tragen.

Teenager in dieser Phase fühlen sich unter Druck gesetzt, immer wichtigere Entscheidungen zu treffen. Egal, ob diese Entscheidungen die Schule, die Arbeit oder das soziale Leben betreffen, du musst zugeben, dass dein Kind mehr Entscheidungen trifft als in den vergangenen Jahren. Als Vater eines Studenten und eines Oberstufenschülers sowie als ehemaliger Oberstufenlehrer kann ich mit absoluter Gewissheit sagen, dass Teenager heute zehn Milliarden Mal mehr Entscheidungen treffen müssen als meine Freunde und ich, als wir noch Vokuhila trugen, Camaros fuhren und Van Halen schmetterten.

Ironischerweise sind Wahlmöglichkeiten das Markenzeichen von Freiheit (das, was sich jeder Teenager am meisten wünscht). Und doch kann die Wahlfreiheit auch genau das sein, was einen festfahren lässt. Wenn du dich schon mal gefragt hast, warum dein Teenager manchmal apathisch wirkt, als ob er plötzlich eine „Mir ist es doch egal“-Einstellung hat, könnte es daran liegen, dass er einfach nicht weiß, wofür er sich entscheiden soll.

Stell dir eine belebte Stadtkreuzung vor. Je mehr Einbahnstraßen du dir vorstellst, die sich alle in verschiedene Richtungen bewegen, desto besser ähnelt das der Vorstellung deines Teenagers.

Stell dir nun vor, dass du ein Auto mitten im Verkehr bist. Du musst irgendwo hin. Wie sollst du dich bewegen? Wo wirst du abbiegen, um dorthin zu gelangen? Dieses Bild beschreibt den Stau, der im Kopf eines Oberstufenschülers oder einer Oberstufenschülerin herrscht – ein emotionaler, beziehungsmäßiger, sexueller und geistlicher Stau. Der Stress, den viele Jugendliche empfinden, hat viel mit diesen drei Worten zu tun: „Ich weiß es nicht.“

Ich weiß nicht … was ich jetzt tun soll, da ich auf die Ersatzbank beim Fußball gesetzt worden bin.

Ich weiß nicht … was ich tun soll, um meine Mathenote zu verbessern.

Ich weiß nicht … ob ich bereit bin.

Ich weiß nicht … ob ich gehen soll.

Ich weiß nicht … ob ich ihn/sie liebe.

Ich weiß nicht … ob er/sie mich auch liebt.

Ich weiß nicht … was ich glaube.

Ich weiß nicht … wie ich wählen würde.

Ich weiß es nicht.

Jetzt denkst du wahrscheinlich: Hast du nicht gesagt, dass du diese Phase liebst? Ja. Ich liebe diese Phase absolut. Hier ist der Grund dafür: Eine unhinterfragte Überzeugung ist eine schwache Überzeugung. „Ich weiß es nicht“ bedeutet: „Ich habe Fragen“. Das ist das Geschenk der Oberstufe. Dein Sohn oder deine Tochter hat Fragen und du kannst ihnen dabei helfen, diese Unsicherheiten zu überwinden. Sie haben vielleicht viel zu tun, aber das bedeutet nur, dass sie dich brauchen, um sie von Zeit zu Zeit aufzuspüren. Sie brauchen deine Stimme, die ihnen hilft, ihren eigenen Weg zu finden. Und sie brauchen dich und ein paar andere verantwortungsbewusste Erwachsene, die ihnen zur Seite stehen, während sie sich durch dieses neue Labyrinth von Entscheidungen arbeiten.

Ich kann ehrlich sagen, dass einige der schönsten Momente meiner Frau und mir als Eltern die waren, in denen wir – trotz Tränen, Frustration, berechtigter Idiotie und Apathie – in der Lage waren, unseren Teenagern zur Seite zu stehen und ihnen ihre Entscheidungen zu erleichtern. Sie entscheiden sich vielleicht nicht immer so, wie wir es uns gewünscht hätten. Aber wenn du in diesem Prozess präsent bleibst, hast du vielleicht mehr Einfluss, als du dir je vorstellen konntest.

Genieße es!

Bildquelle: https://www.pexels.com/photo/group-of-teenagers-sitting-on-seaside-10535407/

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