Eines meiner liebsten Erlebnisse als Elternteil ist es, meinen kleine Tochter aus dem Kindergarten abzuholen. Es ist, als ob Weihnachten wäre und ich der Weihnachtsmann. Wenn ich die Türe zu ihrer Gruppe öffne, lässt sie alles stehen und liegen, sprintet auf mich zu, schlingt ihre kleinen Hände um meine Beine und schreit: „MAMA!“ Ein Mama, die das Herz zum Schmelzen bringt!

Eines Tages öffnete ich die Tür zur Gruppe und meine Tochter war nirgends zu sehen! Verzweifelt fragte ich ihre Erzieherin, ob alles in Ordnung sei. Sie zeigte auf meine Tochter, die in der Ecke malte. (Als ob Buntstifte wichtiger wären als das Auftauchen der Mutter, oder?) Die Erzieherin erklärte, dass sie in letzter Zeit ein großes Interesse am Malen gezeigt habe. Und im zarten Alter von drei Jahren war sie sogar schon ziemlich gut. Als stolze, ehrgeizige Mama wollte ich natürlich ihre neue Leidenschaft unterstützen. Ich ging also gleich in den Laden, kaufte eine Leinwand, Malbücher, eine Malstation und eine Box mit 64 Buntstiften! Schließlich sollte meine Dreijährige der nächste Picasso werden und mit ihrer Mutter nach Paris reisen.

Die Realität sah ganz anders aus

Ich hatte Unrecht. Nachdem ich meine Tochter zehn Minuten lang mit ihren Malutensilien (einschließlich der 64 Buntstifte) alleine im Wohnzimmer gelassen hatte, fand ich zerbrochene Buntstifte im ganzen Wohnzimmer, ein „Gemälde“ an meiner Wand und Verpackungen auf dem Teppich.

Hier ein kleiner Einblick in meine Gedanken in diesem Moment:

„Ich werde wahrscheinlich nicht nach Paris fahren.“

„Sie wird nicht der nächste Picasso sein.“

„Ich musste ihr einfach die ganze Schachtel Buntstifte geben.“

Natürlich habe ich versucht, mit ihr darüber zu reden, was sie getan hatte, und ihr die Buntstifte weggenommen. Aber da sie so willensstark ist, weinte sie und klammerte sich an das, was von ihren Buntstiften übrig war, in der Hoffnung, dass ich nicht stark genug sein würde, sie ihr wegzunehmen. Ich wusste genau, was passieren würde – ein Zusammenbruch mit starkem Willen, das war es.

Wie immer verstand sie die Konsequenzen nicht und versuchte es auch gar nicht. Als ich sie bat, sich zu beruhigen, weinte sie noch lauter. Als ich sie bat, die Buntstifte loszulassen, hielt sie sie fester umklammert. Und als ich sie bat, Mami beim Aufräumen zu helfen, verschränkte sie die Arme und weigerte sich.

Bei einem willensstarken Kind brauchst du besonders Geduld

Wenn du Elternteil eines willensstarken Kindes bist, hast du sicher auch schon solche Momente erlebt und verzweifelt nach Antworten gesucht. Eine Lösung, die mir sehr geholfen hat, ist Geduld: die Fähigkeit, schwierige Momente zu akzeptieren, ohne sich aufzuregen oder wütend zu werden. Geduld zu haben ist leichter gesagt als getan, aber sie ist so mächtig!

Mich zu zwingen, in diesen schwierigen Momenten Geduld zu üben, hat nicht nur mich verändert, sondern auch meine Tochter und ihre Fähigkeit, Geduld zu üben. Denn wenn du als Elternteil in frustrierenden Momenten Geduld vorlebst, lehrst du dein Kind, das Gleiche zu tun. Und je geduldiger du mit ihnen bist, desto geduldiger können sie auch mit sich selbst sein, wenn sie enttäuscht sind, Angst haben, sich schuldig fühlen oder sich schämen.

Wenn du dich in Geduld mit deinem willensstarken Kind übst, erlaubst du dir, Ruhe in die schwierigen Moment zu bringen. Das schafft Raum für klare Gedanken, die Fähigkeit, dein Kind zu beruhigen und Platz für gesunde Strategien zur Disziplinierung.

Nachdem ich meine Tochterins Bett gebracht hatte, während ich den Rest ihrer Kunstkatastrophe aufräumte, hatte ich einen Moment Zeit. Ich dachte an all die Momente, in denen ich mich nicht in Geduld mit ihr geübt oder keine Gnade gezeigt hatte, und wie viel schwieriger diese Momente geworden waren.

Die Episode mit den Buntstiften half mir, etwas anderes zu erkennen, das so wichtig ist – etwas, das ich jeden Tag lebe. Sie lehrte mich, dass zerbrochene Buntstifte immer noch Farben hervorbringen. Auch wenn wir es nicht jedes Mal richtig machen, gibt es immer eine neue Gelegenheit, es richtig zu machen. Es hat mich gelehrt, dass am Ende der Geduld immer die Gnade steht. Und es hat mir Hoffnung gegeben, dass ich mein willensstarkes Kind tatsächlich erfolgreich erziehen kann.

Bildquelle: https://www.pexels.com/photo/girl-in-white-and-yellow-long-sleeve-dress-doing-funny-face-3771648/

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